Die deutschen Bundesländer fahren beim Online-Glücksspiel völlig unterschiedliche Strategien. Während Schleswig-Holstein 2024 vier private Online Glücksspiel Lizenzen vergeben hat, startete Bayern als erstes Bundesland ein staatliches Online-Casino mit Roulette und Blackjack. Nordrhein-Westfalen plant hingegen für Winter 2025 Ausschreibungen für deutsche Casino Konzessionen. Das Ergebnis: ein Flickenteppich, der trotz des Glücksspielstaatsvertrags 2021 Spieler und Anbieter gleichermaßen verwirrt.

Als Journalist, der seit Jahren über die Glücksspielbranche berichtet, beobachte ich diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Einerseits begrüße ich die Bewegung weg von den alten Monopolstrukturen. Andererseits entstehen durch die unterschiedlichen Ansätze der Länder neue Probleme, die niemand richtig durchdacht zu haben scheint. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder sollte eigentlich für Klarheit sorgen, doch die Länder gehen weiter eigene Wege.

Schleswig-Holstein geht den privaten Weg

Das nördlichste Bundesland nutzt seine Schleswig-Holstein Sonderregelung und hat sich entschieden, private Anbieter ins Boot zu holen. Die vier neuen Lizenzen gingen an etablierte Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Online-Casinos haben. "Wir setzen auf Marktwirtschaft und Wettbewerb", erklärte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums. Die Lizenzgebühren fließen in die Landeskasse, die laufende Aufsicht liegt bei einer neu geschaffenen Behörde.

Doch die Umsetzung läuft nicht reibungslos. Mehrere Anbieter klagen über bürokratische Hürden und unklare Vorschriften bei der Lizenzierung. Ein Lizenzinhaber, der anonym bleiben möchte, berichtete mir von monatelangen Verzögerungen bei der technischen Abnahme. "Wir haben die Lizenz, können aber noch nicht loslegen, weil die Behörde überlastet ist." Die Integration ins OASIS Spielersperrsystem verzögert sich ebenfalls.

Bayern setzt auf Staatsmonopol

Völlig anders geht das Bundesland Bayern vor. Der Freistaat betreibt seit diesem Sommer sein eigenes Online-Casino. Roulette, Blackjack und verschiedene virtuelle Automatenspiele stehen zur Verfügung. Die Gewinne fließen direkt an den Staat, der damit Suchtprävention und Jugendschutz finanzieren will. Die Spielerschutz Regelungen sind dabei besonders streng.

Die bayerische Lösung hat durchaus Charme. Keine privaten Gewinninteressen, staatliche Kontrolle über alle Abläufe, transparente Gewinnverwendung. Doch die Umsatzzahlen sind ernüchternd. Nach drei Monaten liegt der monatliche Bruttoumsatz bei gerade einmal zwei Millionen Euro. Zum Vergleich: Private Anbieter in anderen Märkten erreichen oft das Zehnfache.

NRW plant den großen Wurf

Nordrhein-Westfalen will im Winter 2025 gleich mehrere Lizenzen ausschreiben. Das bevölkerungsreichste Bundesland könnte damit zum wichtigsten Markt für Online-Casinos werden. Die Vorbereitungen laufen bereits, die Ausschreibungsunterlagen berücksichtigen auch die Übergangsregeln Lizenzierung der GGL Gemeinsame Glücksspielbehörde.

Interessant wird, wie sich private Anbieter auf die unterschiedlichen Anforderungen der Bundesländer einstellen. Plattformen wie Spinbara Casino müssen ihre Systeme so programmieren, dass sie den jeweiligen Landesgesetzen entsprechen. Das bedeutet verschiedene Spiellimits, unterschiedliche Identitätsprüfungen und separate Kundenkonten je nach Wohnort des Spielers.

Die technischen Herausforderungen sind beträchtlich. Ein IT-Spezialist eines großen Anbieters erklärte mir: "Wir brauchen praktisch für jedes Bundesland eine eigene Software-Version. Das treibt die Kosten in die Höhe." Die Whitelist zugelassene Anbieter unterscheidet sich von Land zu Land.

Verwirrung bei den Spielern

Am Ende leiden die Verbraucher unter dem regulatorischen Chaos. Wer in Hamburg wohnt, hat andere Möglichkeiten als jemand in München oder Düsseldorf. Manche können nur staatliche Angebote nutzen, andere haben die Wahl zwischen verschiedenen privaten Anbietern. Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle Saale geht wieder einen anderen Weg.

Die Verbraucherzentralen warnen bereits vor Verwirrung und möglichen Rechtsunsicherheiten. Die BZgA mahnt ebenfalls zur Vorsicht. Wie soll ein normaler Bürger durchblicken, welche Angebote in seinem Bundesland legal sind und welche nicht? Das OASIS-System sollte hier Klarheit schaffen, funktioniert aber noch nicht flächendeckend.

Bleibt die Frage, ob dieser föderale Flickenteppich langfristig Bestand haben wird. Vermutlich werden die Bundesländer ihre Ansätze über die Jahre aneinander angleichen müssen. Der Glücksspielstaatsvertrag war ein Anfang, doch die Umsetzung bleibt chaotisch. Wer am Ende das bessere Modell gefunden hat, zeigen die nächsten Jahre.